September 29th, 2008
Der US-Wahlkampf ist dieses Mal ein Kampf der Frauen und um Frauen. Welche Dame passt zu welchem Mann, welche Rolle spielen die renommierten Ladies des politischen Establishments?
Vor zwei Jahren sah es noch danach aus, als ob zum ersten Mal in der amerikanischen Geschichte zwei Frauen gegeneinander antreten könnten, Hillary gegen Condoleezza. Aber dann wollte Condoleezza nicht und die Republikaner schickten einen Senior ins Rennen, der dadurch glaubhaft ist, dass er sich im Vietnamkrieg hat foltern lassen. Das Weibliche geriet ins Hintertreffen. Hillary wollte schon, aber sie wollte vielleicht zu sehr. In diesem Fall erwies sich Desmond Dekkers Mut-Reggae „You can get it if you really want, but you must try, try and try“ als Trugschluss. Wollen ist nicht alles, besonders nicht bei Frauen. Sie gelten als zu ehrgeizig und kalt, wenn sie so hartnäckig ein Ziel verfolgen. Als zu wenig emotional.
Das Emotionale kann Obama. Er erzählt Familiengeschichten von seinem afrikanischen Großvater und ruft in Berlin, dass man Mauern einreißen müsse, für eine tolerantere und freiere Welt. Jetzt hat er den demokratischen Auftrag, und, um bei den Frauen zu bleiben, an seiner Seite seine Ehefrau, die für den harten Alltag der Mütter (warum nicht der Väter?) sensibilisieren will.
An der Seite von McCain lacht Sarah Palin, sie ist jung, gilt als Hardliner und hat eine minderjährige schwangere Tochter. In Amerika schlagen die Wellen hoch. Eve Ensler, Autorin der Vagina-Monologe, berichtet von Sarah-Palin-Alpträumen. Sie zählt auf, warum Palin das Schlimmste wäre, was Amerika passieren kann: Diese glaube weder an die Evolution noch an die Abtreibung, sie glaube an Waffenbesitz (hat an einer Klippe 40 Karibus geschossen) und Gott. Das ist ihr gutes Recht, schreibt Eve Ensler, „but when God and Guns come together in the public sector, when war is declared in God’s name, when the rights of women are denied in his name, that is the end of separation of church and state and the undoing of everything America has ever tried to be.“
Und daher schreibt Eve Ensler an ihre Schwestern. Ein Frauen-Aufruf gegen eine Frau. „This vote is a vote that will determine the future not just of the U.S., but of the planet.“ Wieso stellt sich Eve Ensler eigentlich nicht zur Wahl? Sie kann gut reden, ist eine Frau – und kennt sich aus mit anderen Frauen und ihren Sorgen auf der gesamten Welt. Das wären gute Voraussetzungen. Nikola Richter
September 29th, 2008
Löschen oder ausdrucken, das ist die existenzielle Frage, die sich nach dem Lesen jeder Email stellt. Das British Council hat jetzt reagiert und in die digitale Visitenkarte aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine grüne Botschaft eingewebt: Help save paper – do you need to print this email? Nikola Richter
September 25th, 2008
Wie vermittelt man die Literatur eines Landes in die eines anderen? Zuerst braucht man Übersetzer – und ein bisschen Geld. Klingt simpel.
Da gibt dann ein Kulturinstitut oder eine Stiftung oder ein Verlag eine kleine Broschüre mit Lesetexten heraus, lädt vier wichtige junge Autoren zu einer Reise in ein anderes Land ein, Grenzüberschreitung ist wichtig, und die Autoren sitzen auf der Terasse einer ausländischen Villa, schauen auf den See, die Segelboote und tauschen sich aus. Jung ist natürlich relativ, jung ist eher ein Verkaufsargument, denn eine Realität. Jung ist man, wenn man ein bis zwei Bücher veröffentlicht hat, wenn diese irgendwie neu klingen, anders als vorher, anders als alt – also jung. Das ist eigentlich überall so.
Und wenn dann die ausländischen Lektoren, Journalisten, Agenten im Kreis sitzen, erzählen die Autoren von ihrer Literatur. Das Dolmetschen geht ping pong hin und her, alle lächeln, keiner ruckelt mit dem Stuhl, man tut so, als verstehe man die Witze in der anderen Sprache zumindest gestisch. Ihre Literatur sei so vital, so lebendig, sie ließe sich kaum vermitteln. Vor allem nicht in so eine trockene Sprache wie die hiesige. Und auch die Lektoren finden: Ja, vermitteln ließe sich nur ein Autor, eine Autorin, etwas Individuelles, keine Gruppe.
Und das passt doch, denn beispielsweise die Rumänen wollen nicht mehr in Gruppen schreiben, in Generationen auf den Literaturmarkt vorstoßen. Sie erzählen: In Rumänien hat die Literatur nach 1989 eine Wende durchlebt. Sie wandelte sich von einer ästhetisierenden, weil die Barrieren der Zensur und der Literaturkritik überwinden müssenden, zu einer humoresken. War vorher das Publikum nicht der Adressat der Bücher, weil alleine die Rezensionspatriarchen über gut oder schlecht befanden, schreibt man heute für ein Publikum. Das völlig unvorhersehbar reagiere. Da wird man richtig neidisch.
“Bei uns gibt es alles,” sagt einer, “außer Langeweile.” Bücher werden verfilmt und auch von internationalen Jurys ausgezeichnet. So wurde Dan Lungu für “Je suis une vielle coco!” als bestes ausländisches Buch in französischer Übersetzung für den Jean-Monnet-Preis nominiert und sein “Das Hühnerparadies”, eine “falscher Roman aus Gerüchten und Geheimnissen” über die postkommunistische Zeit, in höchsten Tönen gelobt. Florin Lazarescu erhielt für den “Sonderberichterstatter” den zweiten Platz des “Großen Preises für Osteuropäische Literatur”. Und wenn man genau hinschaut, arbeiten sie dann doch zusammen, gar nicht so einzelkämpferisch, in Paaren, am Fortschreiten der Literatur über die Grenzen, auch die Mediengrenzen hinweg, an Filmen, Essaysammlungen, TV-Serien. Doppelt hält besser – das ist zumindest vorhersehbar. Nikola Richter
September 23rd, 2008
1. Szene:
Großvater und Enkel stehen auf einer Rolltreppe und fahren nach oben.
Enkel: Wie schneidet man eigentlich einen Kirschbaum?
Großvater: Von unten nach oben.
Sohn: Und die Kirschen?
…
2. Szene
Zwei Frauen beobachten vom Marktplatz aus, wie das internationale Finanzsystem zusammenbricht.
Erste Frau: Die Katastrophe hat immer eine gewisse Ausstrahlung.
Zweite Frau: Ich habe es mir schlimmer vorgestellt.
Erste Frau: The best is yet to come!
…
5. Szene
Ein Alkoholiker und ein werdender Alkoholiker treffen sich am Strand und trinken.
Werdender Alkoholiker: Hast du das Spiel gesehen?
Alkoholiker: Nein.
Werdender Alkoholiker: Du hast nichts verpasst. Sie waren sehr überheblich.
…
Letzte Szene:
Großvater und Enkel erreichen das Licht am Ende der Rolltreppe.
Großvater: Wo müssen wir jetzt hin?
Enkel: Ich weiß nicht, aber was ist das hier?
Großvater: Das, mein Kind, ist international!
Andreas Bock