Wir müssen draußen bleiben

Budapest Pride unter Ausschluss der Öffentlichkeit, Foto: Róbert Katona
Am Ende des Regenbogens ist es dunkel. Ein paar Hundert Menschen stehen dort vor einer mannshohen Absperrung aus Stahl. Hinter dem Zaun, der sich über die gesamte Breite der großen Ringstraße der ungarischen Hauptstadt spannt, hat sich eine Kette von Polizisten in Schutzkleidung aufgereiht. Weit mehr als ein Steinwurf liegt zwischen dem großen Banner in den Regenbogenfarben, das die Teilnehmer der Budapester Schwulenparade – der Budapest Pride – auf ihrem Zug über die Budapester Prachtmeile Andrássy út aufgespannt haben, und den Gegendemonstranten. Sie haben schwarze Kapuzenpullis an, tragen oft Abzeichen, die Großungarn in seinen alten Grenzen vor dem Ersten Weltkrieg zeigt. Die meisten von ihnen sind dem rechtsradikalen Spektrum zuzuordnen.
Hier vor dem kleinen eisernen Vorhang sind sie es, die den Widerstand gegen die Schwulenparade organisieren. „Ich bin hier weil wir ständig in unseren Rechten beschnitten werden, wenn wir mal einen nationalen Gedenkmarsch organisieren möchten“, sagt ein Demonstrant in der ersten Reihe. „Diese Leute hier werden dagegen vom Staat geschützt, und wir zahlen mit unseren Steuern dafür. Für ein paar hundert Schwule braucht man so einen Aufwand nicht, kein Bedarf! Sie sollen woanders hingehen und uns in Ruhe lassen.“ Die letzten Worte gehen in den plötzlich lauter werdenden Parolen unter. „Macskos buzik – Dreckige Schwuchteln“, skandieren die Demonstranten lautstark, als ein paar hundert Meter die ersten Teilnehmer der Parade vorbeiziehen. Schimpfworte fliegen in Richtung der Teilnehmer der Schwulenparade. Die Techno-Musik, die von einem Lastwagen kommt, wird vom Gebrüll der Männer und Frauen, die ihrem Hass Ausdruck verleihen, locker übertönt. Continue reading

